Mitteldeutsche Weingeschichten

Gera

Mitteldeutsche Weingeschichten können manchmal durchaus auch einen Umweg über Frankreich und Bücher nehmen. Eine der 130 besten Weinhandlungen für rote Tropfen in Deutschland besitzt laut Feinschmecker mit „Buch und Wein“ der ehemalige Buchantiquar Ulrich Schmeissner in Gera. Welcher u.a. Bücher von Carlos Ruiz Zafon, gleich inmitten vergessen geglaubter Bücherschätze, ungeahnte Kostbarkeiten an französischen Weinen, Likören und Olivenölen aus glanzvollen Regionen, aber auch echte Geheimtips besitzt.

Dabei werden auf höchstem Niveau ebenso die Themen Absinth und Vermouth nicht außer Acht gelassen. Denn nicht nur bei seltenen Büchern gehört Ulrich Schmeißner zu den Jägern und Sammlern, welcher sein Auge auf das Besondere richtet. Sämtliche Weingüter und Produzenten besucht und kennt er persönlich. Kein Wunder, daß sein Angebot einzelner Tropfen weit über Thüringen hinaus exklusiv ist. Auch die Rebensäfte der Weingüter von Pierre Richard und Gerard Depardieu findet man hier.

Wir probierten einen herrlich, gegen den Trend liegenden süßen Roten Banyuls 2006 vom Weingut Berta –Maillol (gegr. 1959) aus der Region um Banyuls-sur-Mer, wo sich die steilen Pyrenäen mit dem weitem Mittelmeer treffen. Benannt wurde das Weingut nach dem dort aufgewachsenen französischen Bildhauer, Maler und Grafiker Aristide Maillol, dessen Familie von Weinbauern, Seeleuten und Schmugglern abstammte. Das Abenteuerliche lag ihm wohl auch als bekannter Künstler im Blut, da man ihm bis zu seinem ominösen Autounfall 1944 als deutschen Spion unter Verdacht hatte. Schuld daran war seine schon vor dem 1.Weltkrieg beginnende enge Freundschaft zum nicht nur in Weimar schillernd, engagierten Kunstmäzen und geheimnisvollen Tausendsassa Harry Graf Kessler, welcher sich nach dem mit einer Jenaer Ausstellung im Zusammenhang stehenden Rodin-Skandal und der Entlassung als Museumsdirektor zunehmend Frankreich zuwandte. Als Kunstsammler, Diplomat, Mäzen, Schriftsteller, Publizist, Kosmopolit und Strippenzieher gründete er nicht nur den deutschen Künstlerbund sondern auch die Cranach Presse, welche von 1914-16 von Van de Velde geleitet wurde und in der bis 1931 insgesamt 68 Drucke (einschließlich Proben) hergestellt wurden.

Von den knapp siebzig Ausgaben sind die Eclogen Vergils mit Holzschnitten von Aristide Maillol (erschienen 1926), Shakespeares Hamlet in der Übersetzung von Gerhart Hauptmann mit Holzschnitten von Edward Gordon Craig (erschienen 1929) und die Ausgabe des Hohen Lieds Salomons mit Holzstichen von Eric Gill aus dem Jahr 1931 besonders hervorzuheben. Der hohe Anspruch der Cranach-Presse zeigt sich u. a. daran, dass ausschließlich solche Schrifttypen, Grafiken und Papiere Verwendung fanden, die eigens für die Presse hergestellt wurden. Außerdem wurde mit namhaften Illustratoren zusammengearbeitet, neben den Genannten z. B. auch George Grosz oder Marcus Behmer. Gemeinsam mit dem Leipziger Verlag Faber & Faber wurden eigens für Suskripenden ( Bücher-, Wein- oder Musikliebhaber welche ihre eigenene mit numerierter Widmung versehene Exklusivedition bestellen können) Subskriptionen mit Originalgrafiken hergestellt, eine bis heute geschätzte Rarität mit im Buch zu findender Illustrer Gesellschaft welche ein wenig an Wahlverwandschaft erinnerte.

Alles andere als exklusiv, dafür aber im hohen Maße interessant, ist die Buchkunst Dauerausstellung in der Van de Velde Villa im Haus Schulenburg in Gera, welche die weltweit bedeutsame Sammlung von Buchgestaltungen Van de Veldes besitzt. Aber auch die anderen Ausstellungen im Bauhausjahr 2019 ( Nachfolger des Bauhauses – Zwei Künstlergenerationen in der DDR vom 17.9.2018 bis 15.2. 2019; Thilo Schoder – Schüler und Freund Henry van de Veldes vom 14.10. 2018 bis 15.1. 2020, Henry van de Velde – Wegbereiter des Bauhauses und Grenzgänger der Moderne vom 15.3. 2019 bis 15.2. 2020) sind in der wunderschönen Van de Velde Villa sehr interessant. Der nicht mit dem holländischen Winzer Van de Velde im Zusammenhang stehende Bordeaux Château Cheval Blanc 1958 ‘Van-De-Velde’ gehört übrigens zu den Jahrhundertweinen. Nur ein Jahr älter ist das älteste Exemplar und Sammlerstück von Ulrich Schmeißner. Eine Flasche Rivesaltes Grand Reserve von 1959.
Die Weinhandlung “Buch und Wein” befindet sich in der Kurt- Keicher- Strasse 53, 07545 Gera und hat Di- Fr 11-13 Uhr und 14-19 Uhr sowie Sa von 10-13 Uhr geöffnet.


Christine Klauder hat diese Weingeschichte für uns geschrieben, meine lieben Genuss-Indianer*innen. Vielen Dank dafür.
Christine hat ein Buch mit dem Titel “Genussführer Mittelthüringen, Saale-Unstrut, Vogtland, Frankenwald, Fichtelgebirge, Altenburger Land, Westsachsen, Elbland, Leipzig und Region” geschrieben. Man bekommt es in Berlin im Kulturkaufhaus Dussmann.

Das Bild von Herrn Schmeissner ist von Pierre Kamin / Leipzig

Über Karsten Stockhecker 30 Artikel
Mein Name ist Karsten Stockhecker. Ich bin 1964 geboren. Durch mein Diabetes interessiere ich mich seit mehr als zehn Jahren schon dafür, was in welchem Lebensmittel steckt. Es ist ein interessantes und umfangreiches Thema. Ich hoffe, dass ich durch meine Beiträge ein wenig Licht ins Dunkle bringen kann.

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